Camino Finisterre: Santiago de Compostela – Muxia – Finisterre

Es ist schon verrückt. Da bin ich mehr als 1.000 km gelaufen und ich freue mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten, dass es endlich weitergeht.

Von Santiago de Compostela über Muxia nach Finisterre

Ich bin leicht aufgeregt und voller Vorfreude. Werde ich die Pfeile aus der Stadt raus finden, wird der Camino Finisterre gut beschildert sein und wie viele Pilger wohl auf dem Weg sind…

All diese Gedanken schießen mir durch den Kopf, als ich nach einem leckeren Frühstück in Santiago de Compostela aufbreche.

Heute ist das erste Mal, dass ich nicht im Dunkeln loslaufe. Das liegt daran, dass es erst mal nicht so heiß ist und, dass ich nur 23 km vor mir habe. Mein heutiges Ziel heißt Negreiro. Hach, ist das schön, wieder unterwegs zu sein.

Kathedrale von santiago de Compostela am Morgen, Jakobsweg

Der Wind in den Haaren, die Sonne im Gesicht, Blätterrauschen im Hintergrund, Wald, Wiesen und Felder. Das hab ich wirklich schon vermisst.

tolles Wetter, blauer Himmel, Jakobsweg
Moosherz am Wegesrand, Jakobsweg
schöner, schattiger Waldweg nach Negreiro, Jakobsweg

Von Negreiro für mich der Weg 21,1 km weit nach Sankt Marina. In diesem Schlafsaal gab es neben den obligatorischen Schnarchern mal einen Stimmenimmitator. Das war mal eine Abwechslung. Bis ich das erstmal geschnallt hatte, wo die Geräusche herkommen und was das für Geräusche sind, war ich knallwach. Außerdem war ich war sehr dankbar, als die Nacht vermeintlich um war und ich mich aus dem Schlafsaal stehlen konnte. Weiter geht es.

Sonnenaufgang, Jakobsweg
Sonnenaufgang, Jakobsweg

Morgensonne küsst die Straße, Jakobsweg

Was für ein toller Sonnenaufgang. Daran kann ich mich nicht sattsehen. Das werde ich auch in Berlin vermissen. Die friedliche Stille auf dem Weg in der Dunkelheit, das zaghafte Erwachen des Tages, der erste Silberstreifen am Horizont, die Sonnenaufgänge. Einfach nur schön.

Sonnenaufgang, Jakobsweg

Die Herberge in Dumbria ist ein ganz moderner Bau am Ortsrand. 8 Personen pro Zimmer, ausreichend Toiletten und Duschen, helle Küche, großer Aufenthaltsbereich. Einmal schlafen noch, dann sehe ich das Meer.

Auf dem Weg nach Muxia, Jakobsweg
Wegmarkierungen auf dem Jakobsweg

Und so ist es. Zuerst kann ich es nur riechen und dann sehe ich es. Und da ist es, dieses unbeschreibliche Gefühl, angekommen zu sein.

Meer in Sicht, Jakobsweg

Mir wird innerlich wohlig warm und gleichzeitig schauert es den Rücken runter. Ich bin ziemlich gerührt, sehr glücklich und muss mir die Tränchen verkneifen…sind ja noch andere Pilger unterwegs… In Muxia gönne ich mir ein schönes Hotelzimmer. Wenn ich auf dem Bett liege, kann ich auf das Meer hinausblicken. Besser gehts’s nicht.

Strand in Muxia, Jakobsweg
Schicke Aussicht...vom Bett auf s Meer, Muxia

Später hole ich mir meine Muxiana ab und schlendere Richtung Leuchtturm und Kirche. Hier genieße ich das Meeresrauschen, die Sonne und lebe voll im Moment.

Hafen Muxia
Leuchtturm Muxia
Brandung Muxia, Jakobsweg
Kirche in Muxia, Jakobsweg
Wegweiser nach Finisterre

Den Gedanken, dass meine Reise bald zu Ende ist, schiebe ich beiseite. Deswegen entscheide ich mich, eine Nacht in Lieres zu schlafen, bevor ich nach Finisterre gehe und der Weg wirklich zu Ende ist.

auf dem Weg nach Lieres, Jakobsweg
Felder auf dem Weg nach Lieres, Jakobsweg
Strand in Lieres, Jakobsweg
Landschaft auf dem Weg nach Finisterre, Jakobsweg
Hippie - Hinweisschild auf Wasser

Ja, da bin ich nun, angekommen. Am Leuchtturm suche ich ein vermeintlich stilles Fleckchen und genieße den Sonnenuntergang.

Pilgerkreuz Finisterre, Jakobsweg
Nullstein, Angekommen am Ende der Welt, Finisterre
Leuchtturm Finisterre, Jakobsweg
Finisterre, Jakobsweg
Skulptur Pilger, Finistere
Sonnenuntergang Finisterre
Sonnenuntergang Finisterre
Sonnenuntergang Finisterre

Ich fühle mich ruhiger, sanfter, ausgeglichener, geduldiger, wieder viel mehr bei mir. Ich bin total froh darüber, dass ich mich auf den Weg gemacht habe. Darüber, dass ich gesund und munter angekommen bin, dass ich seichte und tiefe Unterhaltungen mit den unterschiedlichsten Menschen führen durfte, dafür, dass ich mir diese 8 Wochen Zeit nehmen konnte und mich ein stückweit selbst wiedergefunden habe. In wenigen Tagen muss ich mich wieder um mehr kümmern als um mein Wohlbefinden. Dann dreht sich der Tag nicht mehr um Etappen, Pfeile, Muscheln, Herbergen, Handwäsche, Menu del Dia und Blasenpflege. Das Leben ist halt kein Ponyhof. Dicht gefolgt von dem Vorsatz, die neugewonnene Kondition beizubehalten, denke ich: Bis zum nächsten Mal auf einem anderen Camino…wir sehen uns wieder, Ende der Welt!

Hippie-Strand am Abend, Finisterre
Hippie-Strand zum Sonnenuntergang, Finisterre

Bist Du schon über den Camino Finisterre gepilgert? Wie ist es Dir am Ende der Welt ergangen? Planst Du einen anderen Jakobsweg zu laufen?

Ich freue mich über Deinen Kommentar!

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2 Kommentare auf “Camino Finisterre: Santiago de Compostela – Muxia – Finisterre

  1. Hallo, ich bin im Juni den Camino Portugues Küstenweg ab Porto gegangen. Letztes Jahr zum Einstieg bin ich von Lugo gestartet. Santiago de Compostela hat einfach was magisches. Hätte nie gedacht, dass das gehen in einem so viel bewegt, den Kopf frei macht und man wieder bei sich ankommt. Nun habe ich geplant, von Santiago nach Finisterre zu gehen. In deinem Bericht lese ich, dass du über Muxia nach Finisterre gegangen bist. Hast du ein paar Tipps für mich? Buen Camino

    1. Hallo Sabine,

      den portugiesischen Camino bin ich noch nicht gepilgert.
      Ich habe gerade den Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg beendet und bin noch total hin und weg von dieser traumhaften und abwechslungsreichen Natur in Rheinland-Pfalz. In 8 Tagen führte mich dieser Weg von Idar-Oberstein nach Bingen.

      Die Jakobsweg von Santiago de Compostela nach Muxia ist sehr gut ausgeschildert.
      Selbst der Weg aus Santiago raus ist gut zu finden. Am Parador-Hotel vorbei und dann der Muschel hinterher. Irgendwann trennt sich der Weg und Du musst Dich entscheiden, wie rum Du nach Finisterre gehen möchtest. Die Herbergen auf dem Weg über Muxia waren prima. In Muxia kannst Du Dir gegen Vorlage Deines Pilgerausweises die Muxiana abholen- eine weitere Pilgerurkunde. In Finisterre gibt es gegen Vorlage des Pilgerpasses und entsprechender Stempel eine weitere Pilgerurkunde. Ich habe in Finisterre in der Herberge “Do Mar” geschlafen. Strandnähe und Du siehst den Sonnenaufgang vom Bett aus. Dafür liegt es etwas außerhalb.
      Außerdem hat mir eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang ab Hafen Finisterre supergut gefallen. Mit etwas Glück siehst Du Delfine.
      Einen Sonnenuntergang am Kap Finisterre genießen war auch ein total schönes Erlebnis.

      Ach, in Santiago de Compostela ist die Führung über die Dächer der Kathedrale toll!

      Ich wünsche Dir einen “Buen Camino”!

      Herzliche Grüße aus Bingen
      Annik