Stell dir vor, du packst deinen Koffer, steigst ins Flugzeug und vertraust dein Zuhause samt geliebten tierischen Mitbewohnern einem Menschen an, den du vorher noch nie gesehen hast.
Mutig? Vielleicht.
Funktioniert’s? Und wie!
Für meine Interviewpartner Katharina und Raik aus Berlin ist Housesitting längst mehr als nur eine praktische und preiswerte Möglichkeit, während der eigenen Abwesenheit jemanden zu finden, der sich um Haus und Garten kümmert, dafür sorgt, dass es den tierischen Gartenbewohnern gut geht und nicht vergisst, Katze Milda zu füttern, zu bespaßen und natürlich ausgiebig zu bekuscheln.
Weiterlesen: Housesitting in Berlin: Warum dieses Paar sein Zuhause regelmäßig Fremden anvertrautDoch wie genau machen die Beiden das?
Wie finden sie einen Housesitter?
Was sollte man vorher unbedingt klären?
Worauf kommt es an, damit man mit einem wirklich guten Gefühl in den Urlaub fahren kann?
Katharina und Raik öffnen für dich ihre Haustüre und nehmen dich mit in ihre Welt des Housesittings. Kommst du mit?
Erzähl doch mal kurz: Wer bist du, was machst du, wo lebst du und welche tierischen Mitbewohner gehören zu deinem Leben?
Ich bin Katharina und lebe mit meinem Mann Raik und unserer Katze Milda im Südosten Berlins.
Neben unserer Katze Milda haben wir noch einige wilde Mitbewohner. Igel, Vögel, Waschbären und Füchse schauen regelmäßig vorbei und machen unsere kleine Ecke Berlins zu einem ziemlich lebendigen Ort.

Welche Aufgaben erwarten einen Housesitter bei euch?
Bei uns wartet vor allem draußen ein bisschen Arbeit: Wir haben einen großen Garten, der gerade im Sommer einiges an Aufmerksamkeit braucht. Regelmäßiges Wässern gehört dazu, genauso wie das Ernten unseres Gemüses. Was reif ist, darf natürlich gerne selbst gegessen werden!
Außerdem sollte der Briefkasten regelmäßig geleert werden.
Wenn der Housesitter abreist wünschen wir uns, dass er das Haus genauso sauber hinterlässt, wie er es vorgefunden hat.
Seit wann suchst du eigentlich Housesitter und wie bist du darauf gekommen?
Unseren ersten Housesitter hatten wir 2023. Damals war unsere Katze Milda gerade bei uns eingezogen und noch ein kleines Kitten.
Für uns war schnell klar: Wenn wir verreisen, soll sie nicht allein zu Hause bleiben müssen.
Auf die Idee gekommen sind wir allerdings schon vorher.
Wir waren selbst bereits als Housesitter in den USA unterwegs und fanden das Konzept einfach großartig.
Warum also nicht auch bei uns zu Hause?
So ist es für alle eine schöne Lösung: Milda hat Gesellschaft und bekommt ihre gewohnte Aufmerksamkeit, während sich jemand um Haus und Garten kümmert und wir können mit einem guten Gefühl unterwegs sein.

Kennst du auch die andere Seite? Hast du schonmal einen Housesit woanders gemacht?
Ja, die andere Seite kenne ich auch!
Bisher allerdings erst von einem einzigen Housesit. Der führte uns direkt in die USA, nach Palm Springs.
Dort haben wir auf zwei Huskys aufgepasst und eine richtig tolle Zeit erlebt.
Eine super Erfahrung, die uns noch einmal gezeigt hat, wie schön Housesitting auch aus der Perspektive der Sitter sein kann.
Wie ist es für dich, fremde Menschen in deinem Zuhause wohnen zu lassen?
Ich mag es, unser Zuhause mit anderen Menschen zu teilen. Wir sind es gewohnt, „fremde“ Menschen im Haus zu haben, da wir unser Gästezimmer über Airbnb anbieten.

In unserem Haus haben außerdem schon mehrere Filmdrehs und Shootings stattgefunden.
Stichwort Sicherheit: Wie gehst du mit diesem Thema um?
Puh, gute Frage!
Ich glaube, ich bringe einfach ein gewisses Grundvertrauen in Menschen mit. Natürlich weiß man nie zu hundert Prozent, wen man sich ins Haus holt. Aber ich gehe erst einmal vom Guten aus und hoffe, dass niemand ein Arschloch ist.
Räumst du persönliche oder wertvolle Dinge weg, bevor ein Housesitter einzieht?
Wirklich Wertvolles haben wir eh nicht im Haus.
Sehr persönliche Sachen sind gut verstaut.
Wo findest du überhaupt einen passenden Housesitter?
Meistens suchen wir unsere Housesitter über TrustedHousesitters. Das hat sich für uns bisher bewährt.
Neulich wurde mir zudem noch Mind My House empfohlen.
Das werde ich mir auf jeden Fall auch mal genauer anschauen.
Manchmal muss man gar nicht so weit suchen: Auch über Bekannte lässt sich natürlich jemand finden. Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld sind schließlich auch eine schöne Möglichkeit.
Welche Erwartungen hast du an deinen Housesitter
Ich wünsche mir vor allem, dass unser Housesitter Verantwortung übernimmt und mit Herz bei der Sache ist.
Ein liebevoller Umgang mit unseren tierischen Mitbewohnern gehört für mich genauso dazu wie ein sorgsamer Umgang mit unserem Zuhause und den vorhandenen Ressourcen.
Kurz gesagt: Jemand, der aufmerksam ist, mitdenkt und unser Zuhause so behandelt, als wäre es sein eigenes.
Bleibst du während deiner Abwesenheit mit dem Housesitter in Kontakt oder herrscht Funkstille?
Funkstille gibt es bei uns eher nicht. Wir bleiben meistens über einen Messenger in Kontakt und sind bei Bedarf auch telefonisch erreichbar.
Ich freue mich immer sehr über kleine Updates und Fotos von zu Hause. Zu sehen, wie es Milda geht und was sich im Garten so tut, ist einfach schön.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass unsere Housesitter uns jederzeit erreichen können, wenn Fragen auftauchen oder etwas sein sollte.
Es geht nicht darum, ständig voneinander zu hören, sondern darum, dass beide Seiten ein gutes Gefühl haben.
Wie oft hattest du bisher Housesitter bei dir in Berlin?
Bisher hatten wir tatsächlich schon ungefähr 20 Housesitter.
Puh, wenn ich die Zahl so höre, bin ich selbst ein bisschen überrascht!
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In meiner Erinnerung waren das gefühlt gar nicht so viele.
Wenn man immer mal wieder verreist und sich jedes Mal jemand Neues um Haus, Garten und Milda kümmert, summiert sich das doch ganz schön schnell.
Welche Eigenschaften oder Erfahrungen muss ein Housesitter haben, damit eure Wahl auf ihn fällt?
Verantwortungsbewusstsein und Erfahrung im Umgang mit Katzen.
Wie bereitest du deinen Housesitter auf den Aufenthalt vor?
Wir machen grundsätzlich zur Vorbereitung einen Videocall.
Dabei bekommen unsere Housesitter schon einmal einen ersten Einblick und wir können die wichtigsten Dinge vorab besprechen.
Richtig ausführlich wird es dann am Nachmittag oder Abend vor unserer Abreise. Da treffen wir uns alle bei uns zu Hause und gehen gemeinsam alles in Ruhe durch. So können wir zeigen, wo was zu finden ist, erklären, worauf es ankommt, und offene Fragen klären.
Ein schöner Nebeneffekt: Auch Milda hat so schon die Gelegenheit, ihren neuen Menschen kennenzulernen und sich ein bisschen an ihn zu gewöhnen.
Für unsere Housesitter gibt es übrigens ein eigenes Gästezimmer samt Gästebad. So hat jeder seinen persönlichen Rückzugsort und ausreichend Privatsphäre. Uns ist wichtig, dass sich nicht nur Milda, sondern auch unsere Housesitter bei uns in Berlin wohlfühlen.
Was war bisher dein schönstes Erlebnis mit einem Housesitter?
Da gibt es tatsächlich gleich mehrere schöne Erlebnisse!
Mit einem Sitter-Paar hat sich über die Zeit sogar eine richtige Freundschaft entwickelt. Wir treffen uns regelmäßig und merken immer wieder, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben.
Es ist einfach schön, wenn aus einer zunächst eher zufälligen Begegnung so etwas entsteht.
Mit anderen Housesittern haben wir wiederum Gespräche geführt, die uns wirklich berührt und noch lange beschäftigt haben.
Ich finde es unglaublich bereichernd, durch das Housesitting Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen kennenzulernen, Geschichten auszutauschen und gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen.
Was war die schlimmste Überraschung, die dich nach deiner Rückkehr erwartet hat?
Richtig böse liegt ja immer ein bisschen im Auge des Betrachters. Aber eine Rückkehr ist mir besonders in Erinnerung geblieben – und zwar leider keine schöne. Ich war wirklich enttäuscht und auch traurig, als wir nach Hause kamen und feststellen mussten, dass sich während unserer Abwesenheit nicht richtig um Milda und den Garten gekümmert worden war.
Milda hatte aus Frust ins Haus gepinkelt, der Garten war halb vertrocknet und unsere wild lebenden Igel waren offenbar überhaupt nicht gefüttert worden.
Da taten mir die Tiere und die Umwelt schon sehr leid.

Bist du schon mal von einem Housesitter bestohlen worden?
Nein, zum Glück noch nicht.
Gab es schon einmal einen Schaden in der Wohnung? Was ist passiert und wie ging das aus?
Ja, ein paar Kleinigkeiten sind tatsächlich schon zu Bruch gegangen. Mal war es Geschirr, mal eine Wetterstation. Also nichts Dramatisches. Die Sitterin hat auch sofort reagiert und sich selbstständig um Ersatz gekümmert.
Was ich mir allerdings gewünscht hätte: dass sie uns direkt Bescheid sagt. Für mich wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Vielleicht hätte ich sogar gesagt, dass sie gar nichts ersetzen muss oder einfach einen anderen Teller nehmen kann.
Mir ist Offenheit da viel wichtiger als die Sache selbst. Missgeschicke können schließlich jedem passieren.
Mal angenommen, es würde richtig schiefgehen. Was wäre für dich das absolute Worst-Case-Szenario?
Puh, das möchte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen! Ich vertraue da schon auf unsere Menschenkenntnis und unsere bisherigen Erfahrungen. Auch mit unseren Airbnb-Gästen hatten wir bisher zum Glück nie ein wirkliches Worst-Case-Szenario.
Allerdings ist während unserer letzten Japanreise tatsächlich etwas passiert, das uns ganz schön auf die Probe gestellt hat: Vier Tage nach unserer Abreise hat sich Milda das Becken gebrochen. Das war natürlich erst einmal ein riesiger Schock! Umso dankbarer waren wir, dass unsere Sitterin so toll reagiert und Milda direkt in eine Tierklinik gebracht hat.
Mit der Tierklinik waren wir allerdings nicht wirklich zufrieden. Deshalb ist unsere Sitterin am nächsten Tag noch einmal mit Milda zu unserer eigenen Tierärztin gefahren. Dort wurde sie dann richtig gut versorgt.
Für Milda begann damit eine ziemlich lange und anstrengende Zeit: Sie musste insgesamt sechs Wochen in einem Käfig bleiben, um den Bruch ausheilen zu lassen. Vier dieser Wochen waren wir noch in Japan. Das war für alle Beteiligten hart – für Milda natürlich, aber auch für unsere Sitterin und für uns. Wir hatten die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen, so weit weg zu sein und nicht selbst für unsere Katze da sein zu können.
Unsere Sitterin hat das alles unglaublich toll gemeistert. Wir sind ihr dafür unendlich dankbar! Mittlerweile geht es Milda wieder gut. Sie muss sich zwar noch ein bisschen schonen, aber der Bruch ist glücklicherweise gut verheilt.
Wonach wählst du deinen Housesitter eigentlich aus?
Es sind verschiedene Kriterien. Wenn die Bewerbungen reinkommen, finde ich es schon gut, wenn auf uns und unsere Bedürfnisse eingegangen wird.
Wenn ich dann noch merke, dass die Leute nicht einfach nur eine billige Bleibe in Berlin suchen, sondern wirklich Bock auf uns, unser Haus und die Katze haben, finde ich das ziemlich gut.
Und ganz klar: die Kommunikation. Wer gut und schnell kommuniziert, sammelt bei mir auch viele Pluspunkte.
Im Videocall entscheidet dann oft auch einfach die Sympathie.
Warum lehnst du Bewerber ab?
Wenn ich merke, dass jemand einfach nur eine Copy-and-paste-Bewerbung verschickt, ist das für mich schon ein echter Downer. Da fehlt mir einfach das persönliche Interesse.
Auch Menschen mit Kindern passen nicht so gut zu uns, weil Milda Kindern gegenüber nicht ganz so entspannt ist. Da möchten wir natürlich darauf achten, dass es für alle Beteiligten, und vor allem für unsere Katze, gut passt.
In einem Satz. Was ist für dich als Gastgeber das Beste am Housesitting?
Ganz klar: Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kennenzulernen, ihnen einen Einblick in unser Leben zu geben und gleichzeitig an ihrem Leben teilzuhaben.
Es ist immer wieder schön zu erleben, wie viele wunderbare Menschen es gibt, die so gar nicht in das negative Bild passen, das man manchmal durch Nachrichten oder Kommentare im Internet vermittelt bekommt.
Solche Begegnungen geben mir jedes Mal aufs neue Hoffnung und zeigen mir, wie viel Gutes in den Menschen steckt.
Was würdest du Leuten raten, die zum ersten Mal ihr Zuhause in fremde Hände geben wollen?
Seid offen für Menschen.
Nutzt die Chance.
Eurer Tier und eurer Zuhause werden es euch danken, wenn jemand da ist, der sich kümmert und nicht nur jemand, der morgens und abends Futter hinstellt.
Was möchtest du den Lesern zum Schluss noch mit auf den Weg geben?
Macht euch frei von den Ängsten, dass Fremde Menschen in eurer Zuhause kommen. Sie kommen als Fremde und gehen oft als echte Freunde.
Wenn man den Menschen offen begegnet kommt oft viel Inspirierendes und Schönes dabei rum.
Liebe Katharina, ich danke dir ganz herzlich für das Interview und die Einblicke ins Thema Housesitting aus Sicht eines Gastgebers.
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Über meinen Freundschaftswerbungslink* gibt es 25 % Rabatt für dich und zwei Monate Mitgliedschaft für tutti für mich. Du willst einfach nur bei den Beiden Urlaub machen? Hier noch mal der Link zum Airbnb.
Lust bekommen, weiter in die Housesitting-Welt einzutauchen?
Dann empfehle ich dir meinen Artikel „Housesitting für Anfänger: Was Hausbesitzer & Housesitter wissen müssen“.
Du fragst dich, wie andere Gastgeber das Thema Housesitting erleben?
Dann wirf doch mal einen Blick auf die Erfahrungen und Geschichten anderer Housesitting-Gastgeber.
Hier findest du einen weiteren persönlichen Einblick: Fremde im eigenen Zuhause? Eine Hamburgerin erzählt von ihren Housesittung-Erfahrungen.
Hast du schon mal Housesitting gemacht? Welche Erfahrungen hast du gemacht?
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