Fremde im eigenen Zuhause? Eine Hamburgerin erzählt von ihren Housesitting-Erfahrungen

Was passiert eigentlich, wenn man seine Wohnung und seine geliebten Haustiere einfach einem fremden Menschen anvertraut und selbst die Koffer packt?

Für meine Interviewpartnerin Saskia aus Hamburg ist Housesitting längst mehr als nur eine praktische und preiswerte Möglichkeit, während der eigenen Abwesenheit jemanden zu finden, der auf Wohnung und Katze aufpasst.

Es geht um Vertrauen, Begegnungen und die spannende Erfahrung, Fremde für eine Weile Teil des eigenen Zuhauses werden zu lassen.

Doch wie und wo findet man eigentlich einen passenden Housesitter? Was sollte man vorher unbedingt klären? Und worauf kommt es an, damit man mit einem wirklich guten Gefühl in den Urlaub fahren kann?

Saskia öffnet für dich ihre Wohnungstür und nimmt dich mit in ihre Welt des Housesittings. Kommst du mit?

Erzähl doch mal kurz: Wer bist du, was machst du, wo lebst du und welche tierischen Mitbewohner gehören zu deinem Leben?

Ich bin Saskia. Ich lebe zusammen mit meinem Lebensgefährten Dirk in Hamburg.

Foto von Saskia und Dirk
Gehört zum Interview: Fremde im eigenen Zuhause?Eine Hamburgerin erzählt von ihren Housesitting-Erfahrungen

Bis vor Kurzem haben wir unsere Wohnung mit zwei Katzen-Senioren geteilt. Von unserem Kater mussten wir uns leider bereits 2025 verabschieden, und im Sommer 2026 ist ihm nun auch unsere Katzen-Omi gefolgt.

Dirk ist Jazz-Gitarrist und Musiklehrer.

Ich habe zwei Jobs: Zum einen bin ich selbstständig als Yogalehrerin tätig, zum anderen arbeite ich festangestellt in einem IT-Unternehmen als Scrum Masterin, also gewissermaßen als Teamcoach.

Aktuell leben keine Katzen bei uns, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass früher oder später wieder ein oder zwei Fellnasen bei uns einziehen werden.

Welche Aufgaben erwarten einen Housesitter bei dir?

Neben der liebevollen Versorgung und Bespaßung meiner Haustiere freuen sich auch die Blumen in der Wohnung und auf dem Balkon über regelmäßige Aufmerksamkeit.

Auch das Leeren des Briefkastens gehört dazu. Und manchmal kommen, wenn es nicht anders geht, noch kleine Sonderaufgaben hinzu. Als du zum Beispiel bei uns warst, hast du nach einem starken Regenfall einmal nachgeschaut, ob unser Kellerabteil unter Wasser steht.

Welche Erwartungen hast du an deinen Housesitter?

Am wichtigsten sind mir Zuverlässigkeit, eine gute Kommunikation und Erfahrung im Umgang mit Tieren. Ich finde es außerdem schön, wenn ich schon im Videocall merke, dass echtes Interesse an meinen Katzen da ist. Einmal hatte ich einen Call mit jemandem, der kaum Fragen zu den beiden gestellt hat. Keine Frage danach, was sie mögen, wie sie so sind oder was ihnen wichtig ist. Da hatte ich schnell den Eindruck, dass es eher ums kostenlose Wohnen als um die Tiere geht. Ich habe mich deshalb gegen die Person entschieden.

Auch Ehrlichkeit ist mir wichtig. Wenn mal etwas zu Bruch geht, ist das kein Drama, solange offen damit umgegangen wird. Natürlich wünsche ich mir, dass die Wohnung nach meiner Rückkehr genauso ordentlich ist wie vorher, nichts fehlt und vor allem die Katzen glücklich und zufrieden sind.

Ob die Katzen gut umsorgt wurden, merke ich tatsächlich ziemlich schnell. Sind sie bei meiner Rückkehr extrem verkuschelt und weichen mir kaum von der Seite, habe ich manchmal den Eindruck, dass ihnen während meiner Abwesenheit etwas Aufmerksamkeit gefehlt hat. Kommen sie dagegen kurz zur Begrüßung, sagen „Hallo“ und gehen dann entspannt wieder ihren eigenen Weg, weiß ich: Alles bestens, die beiden wurden gut umsorgt.

Und genau das ist für mich am Ende auch ein wichtiger Punkt bei der Frage, ob ich einen Housesitter wieder anfrage.

Seit wann suchst du eigentlich Housesitter und wie bist du darauf gekommen?

Seit etwa 2018. Mein damaliger Partner und ich waren gerade frisch nach Hamburg gezogen und suchten jemanden, der sich für einen längeren Zeitraum um unsere Katzen kümmern konnte.

Eine Katzenpension kam für uns eher nicht infrage. Zu aufwändig und zu teuer. Erst mussten die Katzen dorthin gebracht werden, dann sollten sie sich auch noch in einer fremden Umgebung eingewöhnen. Gerade bei Katzen, die ihr Revier lieben, fanden wir das eher suboptimal. Und jemand, der nur einmal am Tag zum Füttern vorbeikommt, war uns ebenfalls zu wenig.

Da unsere beiden reine Hauskatzen waren, gehörte für uns bei längerer Abwesenheit einfach mehr dazu als Futter hinstellen und das Katzenklo sauber machen. Sie wollten gekuschelt werden, spielen und natürlich auch ihr menschliches Heizkissen haben. Einfach jemanden, der wirklich für sie da ist. Besonders unser Kater war sehr anhänglich und stark auf Menschen bezogen.

Deshalb habe ich es meistens so gehalten: Wenn ich länger als vier oder fünf Nächte unterwegs war, habe ich nach einem Housesitter gesucht.

Foto von zwei Seniorkatzen, die bis zu ihrem Tode bei Saskia und Dirk gewohnt haben. Für diese beiden Katzen wurde immer ein Housesitter organisiert.

Kennst du auch die andere Seite? Hast du schonmal einen Housesit woanders gemacht? 

Leider noch nicht, aber das würde ich sehr gerne mal machen. Obwohl ich weiß, dass es nicht leicht ist, einen guten Housesit zu bekommen, wenn man noch keine Referenzen hat. 

Wie ist es für dich, fremde Menschen in deinem Zuhause wohnen zu lassen?

Immer wieder spannend. Schließlich kennt man sich anfangs kaum, und trotzdem zieht jemand in die eigenen vier Wände ein. Gleichzeitig finde ich es jedes Mal interessant, neue Menschen und ihre ganz unterschiedlichen Lebensentwürfe kennenzulernen.

Ein kleiner Gedanke bleibt dabei aber immer: unsere Wohnung. Sie ist eher klein. „Cosy“ steht dafür gerne mal in den Bewertungen. Viele Housesitter sind größere Wohnungen oder sogar Häuser gewohnt. Bei uns ist eben alles etwas kompakter.

Am Ende verlasse ich mich aber auf meine Menschenkenntnis. Und bisher hat das zum Glück meistens ziemlich gut funktioniert.

Stichwort Sicherheit: Wie gehst du mit diesem Thema um?  

Ich nutze Plattformen wie TrustedHousesitters, bei denen sich die Mitglieder per Ausweis identifizieren und einen Mitgliedsbeitrag zahlen müssen. Das gibt mir schon mal ein gutes Gefühl.

Wenn sich jemand auf einen Housesit bei mir in Hamburg bewirbt, schaue ich mir zuerst das Profil und die bisherigen Bewertungen an. Wenn mir das sympathisch ist, möchte ich vor dem Sit auf jeden Fall noch einen Videocall machen. Dabei bekommt man meist schnell einen guten ersten Eindruck. Und wenn ich dann bereits im Gespräch ein ungutes Bauchgefühl habe, sage ich lieber ab und wähle eine andere Person aus.

Im Grunde bin ich da aber ziemlich pragmatisch. In erster Linie soll es den Katzen gut gehen. In unserer Wohnung gibt es außerdem nicht wirklich etwas zu holen. Und letztlich glaube ich einfach daran, dass dass die meisten Menschen im Grunde gut sind und nichts Böses im Schilde führen.

Mein Tipp für beide Seiten: Ich informiere immer unsere Nachbarn, wenn ein Housesitter bei uns wohnt. So wundern sie sich nicht, wenn plötzlich jemand anderes ein und aus geht. Gleichzeitig können sie Bescheid geben, falls ihnen etwas komisch vorkommt. Und die Housesitter haben vor Ort direkt Ansprechpartner im Haus, falls doch mal eine Frage auftaucht.

Räumst du persönliche oder wertvolle Dinge weg, bevor ein Housesitter einzieht?

Früher habe ich Laptop & Co. auch schon mal auf den Dachboden verfrachtet.
Heute mache ich das nicht mehr. Wenn ich Zeit habe, räume ich trotzdem gerne die Dinge, die mir besonders wichtig sind, in ein anderes Zimmer. Zum einen fühle ich mich damit wohler, zum anderen liegt dann einfach weniger herum und der Housesitter habt mehr Platz.

Wo findest du überhaupt einen passenden Housesitter?

Meistens über die Plattform TrustedHousesitters. Im Freundes- und Bekanntenkreis findet sich leider nur selten jemand, der gerade Zeit hat.

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Wie bereitest du deinen Housesitter auf den Aufenthalt vor? 

Im Videocall klären wir meistens schon die wichtigsten Dinge. Dazu gibt es einen Welcome Guide mit allen Infos, die man so braucht. Und für den Rest reicht meistens eine kurze Nachricht über einen Messenger.

Bleibst du während deiner Abwesenheit mit dem Housesitter in Kontakt oder herrscht Funkstille?

Ganz ohne Kontakt während der Abwesenheit geht es bei mir nicht. Gerade in den ersten ein, zwei Tagen möchte ich gerne wissen, wie es meinen Katzen geht und ob alles gut läuft. Wenn dann die ersten Fotos von kuschelnden Katzen bei mir eintrudeln, bin ich beruhigt.

Danach freue ich mich über ein kleines Update und ein paar Fotos etwa alle zwei Tage. Das ist für mich die perfekte Mischung aus informiert sein und trotzdem entspannt Urlaub machen.

Wie oft hattest du bisher Housesitter bei dir in Hamburg?

Bisher sechs Mal.

Mit manchen Housesittern hat es so gut gepasst, dass sie auch später noch einmal wiedergekommen sind. Das ist natürlich besonders schön, weil man sich schon kennt und die Katzen und die Abläufe vertraut sind.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis mit einem Housesitter?

Ich freue mich immer, wenn wir vor der Abreise noch zusammen essen und ein bisschen quatschen können. Wenn wir sowieso gerade kochen, wird der Housesitter einfach mit an den Tisch geholt. Dieses unkomplizierte Miteinander finde ich am Housesitting richtig schön.

Auch kleine Veränderungen in der Wohnung finde ich irgendwie nett. Plötzlich liegen die Kissen anders auf dem Sofa oder die Katzenschälchen stehen woanders. Ich mag diesen kleinen Blick von außen auf die eigene Wohnung. Wenn mir eine Veränderung gefällt, bleibt sie einfach.

Und du hast bei deinem Aufenthalt sogar einen Blumenstrauß und eine Karte dagelassen. Darüber habe ich mich wirklich richtig gefreut. Das sind so kleine Dinge, die einfach hängen bleiben.

Was war die schlimmste Überraschung, die dich nach deiner Rückkehr erwartet hat?

Nein, zum Glück nichts Dramatisches.

Höchstens mal leer gegessene Vorräte. Den Gebrannten-Mandel-Aufstrich fand offenbar nicht nur ich lecker. Oder eine Waschmittelflasche, die ich kurz vor dem Urlaub frisch gekauft hatte und die nach zwölf Tagen praktisch leer war. Da habe ich mich schon gefragt, wie viel Wäsche ein Mensch in zwölf Tagen eigentlich waschen kann.

Aber solche Fälle sind wirklich selten.

Bist du schon mal von einem Housesitter bestohlen worden? Wenn ja, wie hast du die Situation gelöst?

Ich bin mir nicht sicher.

Über den Winter ist mir eine Jacke abhandengekommen, die ich echt gerne mochte. In der Zeit waren zwei verschiedene Housesitter da. Vielleicht hat sie einer Person einfach zu gut gefallen, vielleicht habe ich sie aber auch irgendwo liegenlassen.

Aufgeklärt hat sich das Ganze jedenfalls nicht.

Gab es schon einmal einen Schaden in der Wohnung? Was ist passiert und wie ging das aus?

Es war zum Glück nie etwas Dramatisches. Mal ging ein Glas zu Bruch oder ein Blumentopf kaputt, damit kann ich gut leben.

Einmal habe ich mich über eine Housesitterin geärgert. Auf meinem noch ziemlich neuen Tisch war plötzlich ein kleiner Brandfleck. Ich vermute, dass dort ein noch warmes Streichholz gelegen hatte. Als ich sie darauf angesprochen habe, hat sie es abgestritten. Ich konnte es ihr natürlich nicht nachweisen und habe es deshalb auf sich beruhen lassen. Seitdem hat der Tisch jedenfalls sein ganz eigenes Branding. 

Mal angenommen, es würde richtig schiefgehen. Was wäre für dich das absolute Worst-Case-Szenario?

Katzen vernachlässigt, tot oder weggelaufen, Wohnung leer geräumt.

Oder jemand hat heimlich einen Schlüssel nachmachen lassen. Immerhin ist unser Schlüssel eine Spezialanfertigung und nicht einfach zu kopieren.

Bei den anderen Szenarien hoffe ich auf aufmerksame Nachbarn und einen schnellen Anruf. 

Wonach wählst du deinen Housesitter eigentlich aus? 

Mir ist tatsächlich wichtig, dass die Person nicht extra für den Housesit eingeflogen kommt. Natur- und Umweltschutz sind mir persönlich ziemlich wichtig. Ich selbst nehme zum Beispiel lieber den Nachtzug als den Flieger, wenn ich in den Urlaub fahre. Da würde es sich für mich irgendwie falsch anfühlen, wenn jemand für ein paar Tage Housesitting in Hamburg extra ins Flugzeug steigt. Das passt für mich einfach nicht so richtig zusammen.

Ein Punkt ist mir noch wichtig: Bei uns waren bisher eigentlich immer Frauen als Housesitter. Unsere Katze ist mit Männern oft ziemlich reserviert. Vielleicht hat sie da irgendwann mal schlechte Erfahrungen gemacht. Außerdem fühle ich mich wohler, wenn eine Frau in der Wohnung ist.

Ich weiß, ich weiß, ein bisschen voreingenommen ist das schon. Aber ich wollte es einfach offen sagen, weil es für mich bei der Auswahl tatsächlich eine Rolle spielt.

Hast du schon mal einen Bewerber abgelehnt? Falls ja, woran hat es gelegen?

Schon oft. Das liegt schon allein daran, dass ich meist mit 2 Personen einen Videocall habe. Oftmals bewerben sich mehr Leute auf die Ausschreibung, und dann muss ich diesen auch absagen, wenn sie es nicht in die nächste Runde geschafft haben. Die Housesitter selbst haben oft auch mehrere Eisen im Feuer. Ich bin da immer transparent. 

Ansonsten entscheiden Sympathie, Bauchgefühl und pragmatische Kriterien wie die Anreise.

In einem Satz. Was ist für dich als Gastgeber das Beste am Housesitting?

Ich weiß, dass meine Katzen in ihrer gewohnten Umgebung bestens versorgt sind und ich mir nebenbei auch noch die Kosten für eine Katzenpension oder Ähnliches spare.

Was würdest du Leuten raten, die zum ersten Mal ihr Zuhause in fremde Hände geben wollen?

Nutzt am besten eine Plattform, auf der ihr euch die Bewertungen und Rezensionen bisheriger Housesitter anschauen könnt. Und dann: Freut euch auf den Kontakt mit interessanten Menschen!

Bereitet eure Wohnung einfach so vor, wie ihr sie selbst gerne wieder vorfinden würdet. Nehmt euch außerdem genug Zeit für eine persönliche Übergabe und lernt den Sitter in Ruhe kennen.

Und vor allem: Vertraut auf euer Bauchgefühl. Wenn euch etwas komisch vorkommt oder ihr ein ungutes Gefühl habt, dann sagt den Housesit lieber ab. Niemand zwingt euch dazu, jemanden in eure Wohnung zu lassen.

Und noch ein wichtiger Punkt: Wenn ihr das Gefühl habt, ihr müsst jeden Tag kontrollieren, ob alles läuft, und am liebsten täglich einen Videocall mit dem Sitter machen würdet, dann lasst es lieber. Dann wird der Housesit vermutlich für alle Beteiligten eher stressig als entspannt.

Was möchtest du den Lesern zum Schluss noch mit auf den Weg geben?

Ich finde Angebote wie Housesitting oder „Koje gegen Hand“ einfach großartig. In einer Welt, in der gefühlt alles ein Preisschild hat und immer mehr ums Konsumieren geht, sind solche Modelle für mich ein schöner Gegenentwurf – irgendwie eine kleine Rebellion im Alltag.

Klar, man kann dabei auch mal auf die Nase fallen. Aber meistens klappt es doch gut, oft sogar richtig gut. Und im besten Fall lernt man nicht nur nette Menschen kennen, sondern knüpft Kontakte, die vielleicht noch Jahre halten.

Mein wichtigster Tipp wäre deshalb: Macht es einfach, aber hört dabei immer auf euer Bauchgefühl. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, dann lasst es lieber.

Vielen Dank für das nette und offene Interview und dafür, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast, Saskia. Es hat wirklich Spaß gemacht, dir zuzuhören und einen kleinen Einblick in deine Housesitting-Erfahrungen zu bekommen.

Lust bekommen, weiter in die Housesitting-Welt einzutauchen? Dann empfehle ich dir meinen Artikel „Housesitting für Anfänger: Was Hausbesitzer & Housesitter wissen müssen“.

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